The India Challenge – Part 3 – Rajasthan ramble
Den Taj Mahal im Rückspiegel hinter uns lassend sind wir vor 2 Wochen gen Westen aufgebrochen. Rajasthan ist mal wieder so ganz anders als alles bisher gesehene in Indien. Das Land an der Grenze zu Pakistan wirkt auf uns so ein bisschen wie der Übergang zwischen Asien und Orient. Ein trockener und sandiger Flecken Erde entlang der alten Handelsrouten wo das Kamel den Ochsenwagen ersetzt und sommerliche 45°C den Tourismus für einige Monate fast völlig verbannen.
Begonnen haben wir unseren Rajasthan ramble (Streifzug) in der 2 Millionenstadt Jaipur. Das historische Handelszentrum ist ein pulsierender Marktplatz. Die Pink City, den Spitznamen hat Jaipur erhalten nachdem im Mittelalter zu Ehren eines Herrschers alle Gebäude der Innenstadt rosa angemalt wurden, beherbergt in Ihrem Zentrum eine Altstadt in deren Stadtmauern ein kleines Meisterstück der mittelalterlichen Städteplanung liegt. In einer rechteckigen Anordnung sind große Versorgungsstraßen und kleine Ladengassen Innerhalb der Befestigungsmauern angelegt. In den Ladengassen befinden sich hunderte baugleiche Ladengeschäfte. Ganze Straßenzüge verkaufen entweder Stoffe, Schuhe, Metallwaren, Elektronik, Lebensmittel usw. Leider haben die Planer von damals nicht mit der Invasion tausender Tuk Tuks gerechnet und so ist das Verkehrskonzept der Old City mit dem heutigen Ansturm knatternder Transporter etwas überfordert. Dennoch ist sehr unterhaltsam durch die endlosen Reihen der Läden zu ziehen, mit den Verkäuf
ern um die Preise für „best quality“ Ware zu feilschen und sich dann bei einem Chai Tee davon zu erholen. Die üblichen Attraktionen historischer Städte wie Paläste, Burgen etc. für die man als westlicher Tourist hier etwa den 10 fachen Eintrittspreis bezahlt haben wir in Jaipur locker links liegen lassen und sind, mal wieder mit dem Zug, weiter nach Westen aufgebrochen.
Puschkar ist die für Hindus heilige 14.000 Einwohner Pilgerstadt am Rande des Puschkar Sees (eigentlich ein etwas besserer Teich :) ). Einmal im Jahr, zur Puschkar Kamel Messe geht hier richtig was ab. Allerdings ist diese im November und wir zeitlich sehr weit davon entfernt. Somit treffen wir in Puschkar auf überproportional viele Souvenirläden und ausgestorbene Hotels für die Handvoll Touristen. Manchmal ist es schon eine Herausforderung ein Restaurant fürs Abendessen zu finden, weil jeder zweite Laden zu hat. Puschkar scheint dennoch bestens vorbereitet auf besonders leichtgläubige und spirituell angehauchte westliche Touristen. Deshalb haben sich ein paar findige Strolche einen besonders tollen Touristentrick ausgedacht. Zunächst bekommt man von einem netten Mann auf der Straße ein Blume geschenkt. Läuft man auf der Straße weiter in Richtung des heiligen Sees wir man plötzlich von mehreren Seiten angesprochen man müsse mit dieser Blume runter zum See und Sie während der „Puja“ (so was wie ne Messe) in den See werfen. Dann kommen am Seeufer ein paar selbsterklärte Heilige zu einem und binden einem ein rotes Armband um, verbunden mit dem Angebot für Dein gutes Karma und das Deiner Familie zu beten. Das Ganze ist offiziell umsonst, endet aber immer mit der sehr nachdrücklichen Bitte um eine „Donation“. Je höher die Donation umso besser natürlich auch fürs Karma. Dieser Touristen Trick, der nichts mit dem hinduistischen Glauben zu tun hat, wird zu weilen mit recht starkem Nachdruck ausgeübt. So das viele der leichtgläubigen Gäste irgendwann nachgeben und einige Rupies an die Herren Heiligen geben. Sieht man sich an wie gut die Blumenverteiler (die ersten in der Puja-Kette) gekleidet sind, kann das Geschäft mit dem sogenannten „Puschkar Passport“ (dem roten Armband) nicht so schlecht laufen. Wir haben die Blumen dankend angenommen, wollten dann aber so gar nicht mit an den See kommen. Daraufhin durften wir uns auf offener Straße von 2-3 Blumenverteilern eine lautstarke Moralpredigt über unseren mangelnden Respekt gegenüber Ihrer Religion anhören. Zum guten Abschluss wollten die eben noch so freundlichen Blumenverteiler dann auch Ihre Blumen wieder zurück haben. Wir sind diesem Vorschlag gerne gefolgt :) Ein wachsames Auge und ein paar gute Informationen aus dem Reiseführer helfen hier und da, dass man mal nicht übers Ohr gehauen wird – manchmal. Wir haben uns dann in Puschkar ein Moped geliehen und sind übers trockene Land gebrettert. Dort konnten wir abseits aller Touristen dabei zusehen wie mit einer großen Feier, bei der das ganze Dorf auf den Beinen war, der letzte Schultag und die Vergabe der Zeugnisse in einer Schule gefeiert wurde. Wir wissen nicht mehr ganz genau wie es dazu kam, aber plötzlich standen wir im gerade neu eingerichteten Computerraum der Schule und haben mit einem Angestellten des Kultusministeriums vor der Kamera Hände geschüttelt. Wäre doch zu interessant zu wissen, in welcher Tageszeitung wir morgen auf der Titelseite sind. Mit diesen Eindrücken im Gedächtnis waren die Drückerbanden des „Puschkar Passport“ schon fast vergessen.
Bei der Ankunft an unserem nächsten Reiseziel Jaisalmer trennten uns nur noch ca. 100 km von der Pakistanischen Grenze. In etwa zeitgleich mit unserer Ankunft wurde ein paar hundert Kilometer westlich von uns der weltweit meistgesuchte Terrorist von amerikanischen Spezialeinheiten beseitigt. Wir haben davon aber erst Tage später erfahren denn uns beschäftigten erst einmal andere Sorgen. Das erste Mal auf unserer Reise war ein Gepäckstück verschwunden. Isas Rucksack hatte irgendwie den Weg aus dem verschlossenen Kofferraum des Busses gefunden. Nach ein paar aufregenden Stunden und der ständigen Versicherung unseres Hotelmanagers, der Rucksack sei schon auf dem Weg, tauchte dieser tatsächlich wieder auf. Glücklicherweise wurde er nur ausversehen bei einem Arzt unterwegs abgeladen. Da der so gar nichts damit anfangen konnte hat er gleich dem Bus hinterher telefoniert. 2 Stunden nach unserer Ankunft waren alle Gepäckstücke wieder an Bord unserer “Reisegrupp
e” und er Puls wieder im Normalbereich
Jaisalmer liegt wie gesagt an der Grenze zu Pakistan. Die 800 Jahre alte Jaisalmer Burg, hoch gelegen auf einem Bergplateau, ist der ideale Ausgangspunkt für eine Kamelsafari in die Steppe zwischen Indien und Pakistan. So haben wir es dann auch getan und ein Nacht auf der Düne unter den Sternen verbracht. Einzig der Sandsturm konnte uns davon abhalten den klaren Neumondhimmel die ganze Nacht anzustarren. Frisch eingesandet sind wir nach einer Nacht im Nirgendwo wieder aus unseren Kamelen, die wir Kamela und Melbert getauft haben wieder zurück in Richtung Zivilisation geritten. Stefans Kamel hatte sich sogar extra für seinen Geburtstag besonders sc
hick angezogen (und einen Kuchen gab’s auch in der Wüste). Vielen Dank auf diesem Weg auch nochmal an alle Gratulanten – ich hab mich riesig über jeden Gruß gefreut. Wieder zurück in der Jaisalmerer Burg haben wir unseren royalen Ausblick über die Stadt genossen und auf den Auftakt zum letzten Monat unserer Reise angestoßen – Prost.
Wüste, Steppe, Wüste, Steppe. In Rajasthan ist man nie wirklich weit weg vom Sand (dafür aber vom Meer). Wir haben nach Stefans Geburtstag den westlichsten Punkt unseres Rajasthan Trips hinter uns gelassen und sind wieder in Richtung Osten aufgebrochen. Jodpur die blaue Stadt (in Rajasthan scheint jede Stadt ne eigene Farbe zu haben :) ) war unser nächster Stopp. Leider können wir euch von Jodphur nicht wirklich viel berichten, denn die Hauptattraktionen das Jodpur Fort und der Palast waren während unseres Besuchs leider gerade für 3 Tage geschlossen. Gründe dafür konnten wir leider nicht erfahren. Auch nicht als wir mit einem Tuk Tuk bis vor die Tore des Palastes gefahren sind. Nach unserer unnötigen Fahrt (einmal hoch auf den Berg und wieder runter) hat uns unser Tuk Tuk Fahrer dann auch ohne Beschämung verraten das er wusste, dass der Palast geschlossen ist. Vielen Dank der Herr! Aber damit nicht genug, er wollte für den Rückweg auch noch den doppelten Preis kassieren!
Positives Highlight in Jodphur war dafür unser Hotel. Aufgrund der Nebensaison können wir in richtig guten und sauberen (!) Hotelzimmern für den Preis eines Schnitzel mit Pommes absteigen und uns wieder runterkühlen. Das ist hier gar nicht so unnötig. Denn trotz der Tatsache, dass Rajasthan einer der heißesten Orte unserer Reise ist, sind klimatisierte Busse ein Fremdwort
Letzte Station unserer Reise durch Rajasthan ist die Stadt Udaipur im Süden des Bundeslandes. Udaipur gilt als Venedig Indiens. Sieht man über die obligatorische Kuhscheiße auf der Straße hinweg ist das auch fast so. Kolonialgebäude und Paläste (auch auf dem See) bieten vor allem zum Sonnenuntergang eine tolle Kulisse um sie von der Dachterrasse des Hotels zu genießen. Kein Wunder das diese Stadt die Macher der James Bond Filme vor knapp 30 Jahren dazu inspiriert hat hier große Teile des Filmes „Octopussy“ zu drehen. Auch knapp 3 Jahrzehnte nach diesem Ereignis hat der Film die Stadt noch fest in der Hand. Allabendlich wird pünktlich um 19:00 Uhr auf allen verfügbaren Dachterrassenrestaurants der Fernseher angeworfen und der Film gezeigt. Vermutlich haben die Angestellten den Film schon mehrere tausend Male gesehen und können Ihn in allen Sprachen mitsprechen. Aber man muss gestehen, dass es schon einen gewissen Reiz hat auf einer Dachterrasse zu sitzen und auf dem Bildschirm den gleichen Palast zu sehen, der nebendran hell erleuchtet in der Mitte des Sees thront.
Noch ein Wort zum Lebenstempo in Rajasthan:
Zu Beginn unserer Tage in Rajasthan hatten wir uns noch über die „faulen“ Inder gewundert, die in der Regel den kompletten Nachmittag damit verbringen in Ihren Geschäften zu liegen, Tee zu trinken und sich möglichst wenig zu bewegen. Nachdem wir einige Nachmittage bei praller Sonne und 40 Grad in Innenstädten verbracht haben haben wir schließlich aber auch kapiert, dass es einfach besser ist den Tag in Morgen, „Siesta“ und Abend einzuteilen. Auch wenn man dadurch natürlich nicht ganz so viel zu sehen bekommt, für einige Stunden der prallen Hitze an ein kühles Plätzchen zu endfliehen macht einfach Sinn.
Wir trinken jetzt erst mal einen Eiscafé und wünschen Euch viel Spaß beim Bilder gucken. Bis bald.
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Auf in die nächste Runde India Challenge :), Isa und Stefan.
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