The India Challenge – Part 2
Die indische Bahngesellschaft Indian Railways ist mit über 1,6 Mio Angestellten (!) einer der größten Arbeitgeber der Welt. Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit mit den freundlichen und hilfsbereiten Zugbegleitern und den Chai-Tee und Samosa-Snack Verkäufern durchs Land zu reisen. Mittlerweile sind wir echte Zugfans geworden, was auch mit der nicht zu verübelnden Beinfreiheit zu tun hat
. Vor fast zwei Wochen hat uns eine der kilometerlangen blauen „Schlangen“ in die heilige Stadt Varanasi gebracht.
In Varanasi angekommen hat uns unser „freundlicher“ Tuk-Tuk Fahrer auf einem quasi-direkten Weg durch die engen Gassen Varanasis zu unserem Hotel geschleppt. Natürlich nicht ohne uns noch 2-3 Hotels zu zeigen (die ihm vermutlich höhere Kommissionen gebracht hätten), zu denen wir aber gar nicht wollten. Erst nach vehementem Protest sind wir schlussendlich wie gewünscht an der Shanti Lodge angekommen. Mittlerweile sind wir auch an das erforderliche Zimmerpreis Verhandelspiel gewöhnt. Nachdem wir uns einige überteuerte fensterlose Zimmer angesehen haben, konnten wir schlussendlich doch ein Zimmer im 6. Stock mit Blick auf den Ganges für einen vertretbaren Preis für die nächsten Nächte unser Eigen nennen. Ein sehr spannendes
„Geschäft“ die Hotelfinderei in Indien
Ausgehend von unserem einigermaßen sauberen Hotel mit Ganges-View Dachterrasse haben wir uns aufgemacht die Straßen und Ghats (Gassen die zum Ganges Ufer führen) zu erkunden. Oftmals sind diese nicht breiter als 1 Kuh und da diese zu Hauf in den Straßen stehen, kommt es auch öfter mal zu einem Stau
. In den Gassen und Ghats leben Kühe, Ziegen, Hunde, Affen, Katzen und jede Menge Händler die in schaufenstergroßen Läden sitzen und Lebensmittel, Gewürze, Schmuck, Silber, Elektronik und allen erdenkbaren Nippes verkaufen. Diese Lebensgemeinschaft produziert natürlich ein unangenehm riechende Masse an Müll und Exkrementen. Nicht nur deshalb haben wir uns entschieden die engen Gassen nach Sonnenuntergang zu meiden. An den Enden der Ghats liegt der Ganges. Die „Uferpromende“ wirkt wie eine Szene aus einem Film der in einer anderen Welt spielt. Gesäumt von Bettlern, Bootsvermietern, Babas (selbsterklärten Priestern deren Leben aus betteln und Gras rauchen besteht), Waschfrauen und Männern die die Hotelwäsche im Ganges reinigen, Gläubigen die im dreckigen Wasser baden (und es trinken), Kindern die am Ufer spielen und Kühen die darin Baden. Diese Szene wird unterbrochen von großen brennenden Holzstapeln auf denen Familien Ihre verstorbenen Angehörigen direkt am Ufer und in aller Öffentlichkeit verbrennen.
Mit einem Chai-Tee aus einem kleinen Tonkrug in der Hand haben wir uns auf die Treppenstufen des Ganges gesetzt und dieses unwirkliche Schauspiel beobachtet und bestaunt. Eine andere Welt und eine andere Kultur, definitiv!
Von der heißen Enge der Stadt sind wir nach einigen Tagen in Richtung weites Land aufgebrochen. Der Kahna Nationalpark, mutmaßlicher Ideengeber für der Disney Dschungelbuch war unser Ziel und unsere Idee war es dort zu einer Jeep-Safari aufzubrechen um wild lebende Tiger
im Reservat zu bestaunen. Leider haben wir völlig vergessen das Ostern war. Da auch die Inder langes Wochenende hatten, war es fast unmöglich eine der begrenzten Lizenzen für den Parkeintritt zu kommen. Auch unsere pragmatischen Ansätze, wir könnten uns ja einfach zu einer Gruppe gesellen die schon einen Jeep und noch Plätze frei hat, wurde von den Parkrangern mit einem fast meditativ vorgetragenen „not possible“ beantwortet. Nach gefühlten 1000 „not possibles“ hatten wir schon fast die Hoffnung auf ein Ticket aufgegeben. Schlussendlich haben wir es aber irgendwie doch geschafft am Ostersonntag auf einem Jeep zu sitzen und durch das Eingangstor des Kahna Nationalparks zu fahren. Puuhh, das war anstrengender als eine 10 jährige Aufenthaltserlaubnis für Russland zu beantragen ![]()
Tiger haben wir auf unserer Safari natürlich keine gesehen. Aber man muss kein großer Mathematiker sein um die Wahrscheinlichkeit ein Sichtung auszurechnen bei 90 Tigern die sich auf 1.000 qm Reservatfläche „tummeln“.
Dennoch war der Ausflug in die Dschungelbuch Atmosphäre eine interessante, wenn auch überteuerte Erfahrung. Gerne hätten wir geschrieben, dass uns die Tiger am Zaun des Reservates hinterher gebrüllt haben als wir früh morgens mit dem Bus nach Westen aufgebrochen sind. Leider haben Sie das nicht aber gegangen sind wir trotzdem
Weiter zu DEM Nationalmonument Indiens. Was der Pariser Eiffelturm für Frankreich, das Brüsseler Atomium für Belgien und das Berliner Brandenburger Tor für Deutschland ist der Taj Mahal in Agra für den Subkontinent Indien. Eigentlich nicht mehr als ein Mausoleum für die zweite Frau eines indischen Herrschers die bei der Geburt Ihres 14.ten Kindes verstarb, ist dieses perfekt symmetrische Gebäude das komplett aus weißem Marmor gebaut wurde das „8.Weltwunder“.
Verwunderlich ist für uns war aber weniger warum man ein solches Mausoleum für einen verstorbenen baut als vor allem warum indische Bürger 20 Rupies (0,3 €) Eintritt bezahlen während Ausländer 750 Rupies (ca. 12,50 €) berappen dürfen um das weiße Marmormonument zu sehen. Naja, beantworten werden wir wohl beide Fragen nicht. Was wir aber sagen können ist, das von der Restaurant Dachterrasse unseres Hotels mit perfekter „Taj-View“ ein kühles Kingfisher Bier und frisch gebackene Dosas hervorragend schmecken und das es unheimlich viel Spass macht mit dem Blick auf eines der berühmtesten Gebäude der Welt mit der Heimat Ostertelefonate zu führen

Wir senden nochmals nachträglich viele Ostergrüße vom Weltkulturerbe Taj Mahal und hoffen, dass der deutsche Sommer der bald vor uns liegt nicht mit den über 40 Grad Mittagshitze in Agra konkurrieren möchte die hier den Tag in einen vertretbar warmen morgen und einen lauen Abend teilen.
Viele Grüße vom Taj-Mahal.
Wenn Ihr wissen wollt wie ne Kuh auf der Gass aussieht:
http://www.handstandbackpacker.com/galleries/
http://www.handstandbackpacker.com/handstands
Auf nach Westen, Isa und Stefan.
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